Donnerstag, 13. März bis Sonntag, 13. April 2003
Anne Frank
– eine Geschichte für heute

Eine Ausstellung des Anne Frank Zentrum Berlin e.V.
Kulturbüro Schwäbisch Gmünd

 

Freitag, 14. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Hat der Antisemitismus seine Wurzeln im Christentum?«

Bericht von einem Studienjahr in Jerusalem und ein Versuch zu verstehen.

(ld/nf) Schon seit Beginn seines Theologiestudiums geht Pfarrer Benz-Wenzlaff dieser Frage nach. Bei seinem Studienjahr in Jerusalem erlernte er u.a. die Neuhebräische Sprache und lernte jüdische Feste, Lebensweisen und vor allem jüdische Menschen kennen.

Zunächst kommt er auf das Gebot der Nächstenliebe zu sprechen. Dieses Gebot hat das Christentum von den Juden übernommen. Es existiert eine gemeinsame Grundlage zwischen Juden- und Christentum. Dennoch ist das Verhältnis zwischen Juden und Christen schon seit »ewiger Zeit« von einer Art »Familienfeindschaft« geprägt. Mit Erinnerungen aus seiner Studienzeit erklärt uns Benz-Wenzlaff anhand konkreter Beispiele, wie es sowohl von christlicher als auch von jüdischer Seite aus schnell zu abwertenden Aussagen über die jeweils andere Religion kommt. Das jüdische Wort »me-schumad« (= »vernichtet«) zum Beispiel wird für die christliche Taufe eines (ehem.) Juden verwendet. Diese Bezeichnung hängt damit zusammen, dass Juden in früheren Jahrhunderten zur christlichen Taufe oft gezwungen wurden; es wurde ihnen verboten, ihre Religion zu praktizieren. Ihr Jüdisch-Sein war damit aus der Sicht derer, die Juden geblieben waren, »vernichtet«. Andererseits gab und gibt es noch viel mehr abwertende Äußerungen bzw. Vorwürfe von christlichen Seite gegenüber den Juden: Sie hätten eine »erstarrte Religion«, einen »rachsüchtigen Gott«, sie seien »schuld am Tod Jesu«, ...

Anschließend wechselt das Thema auf die Nazis über:
Inwiefern hängt der Antisemitismus der Nazis mit der Judenfeindschaft der Christen zusammen?
Zu damaliger Zeit war es »in«, antisemitisch zu sein, das war eben auch eine Folge von alter Volksfrömmigkeit.

Zum Schluss noch eine der wichtigsten Fragen zum Antisemitismus: Gibt die Bibel selbst Anlass zur Feindschaft gegenüber dem Judentum? Pfarrer Benz-Wenzlaff erinnert daran, wie schlecht die jüdische Gruppe der Pharisäer im Neuen Testament wegkommt: Immer wieder werden sie als »heuchlerisch« gebrandmarkt und als Feinde Jesu beschrieben. Andererseits nennt Benz-Wenzlaff aber auch Paulus: In seinem Brief an die Christen in Rom warnt er die Nichtjuden vor der Feindschaft gegenüber den Juden:
»Ihr habt keinen Grund euch etwas einzubilden! Nicht ihr tragt die Wurzel (des Ölbaums), sondern die Wurzel trägt euch« (Römer, Kapitel 11, Vers 18).
Schließlich kam es zur endgültigen Trennung in eine jüdische und christliche Glaubensrichtung; und nachdem das Christentum im Römischen Reich zur Staatsreligion erklärt wurde, hatte sich aus vielen Motiven heraus eine judenfeindliche Staatsideologie entwickelt.

Nach dem ca. 100-minütigen Vortrag entbrannte eine rege Diskussion unter den Zuhörern und Pfarrer Benz-Wenzlaff.

Referent: Eckhard Benz-Wenzlaff
Evangelische Kirchengemeinde Großdeinbach

Begleitprogramm

Dienstag, 11. März bis Samstag, 12. April 2003, Stadtbibliothek
Medienausstellung »Kalte Zeiten«
mit Büchern, Filmen und CD-ROMs zum Nationalsozialismus
Stadtbibliothek Schwäbisch Gmünd

Donnerstag, 13. März bis Sonntag, 13. April 2003, Prediger, Innenhof
Kunstwerk des Monats
Museum für Natur und Stadtkultur Schwäbisch Gmünd

März
Donnerstag, 13. März, 19.00 Uhr, Prediger, Innenhof
Eröffnung der Ausstellung
durch Bürgermeister Dr. Joachim Bläse
Mit Anja Mittermaier vom Anne Frank Zentrum Berlin e.V.
Musikalischer Rahmen: Katharina Rodi, jiddische Lieder
Kulturbüro
Schwäbisch Gmünd

Freitag, 14. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Hat der Antisemitismus seine Wurzeln im Christentum?«
Bericht von einem Studienjahr in Jerusalem und ein Versuch zu verstehen. Referent: Eckhard Benz-Wenzlaff
Evangelische Kirchengemeinde Großdeinbach

Montag, 17. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
Antisemitische Filmpropaganda
Filmvorführung »Der ewige Jude«

mit anschließender Diskussion. Moderation: Dr. Bernd Kleinhans
Gmünder Geschichtsverein e. V./Stadtarchiv
Schwäbisch Gmünd

Donnerstag, 20. März, 10.00 Uhr und 12.00 Uhr, Theaterwerkstatt
»Aus dem Tagebuch der Anne Frank«
Württembergische Landesbühne Esslingen
Theaterwerkstatt Schwäbisch Gmünd e.V.

Freitag, 21. März, 19.00 Uhr, Prediger, großer Saal
Konzert der Musikschule
Schüler, Lehrkräfte und Gäste der Musikschule spielen Werke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und Musik von jüdischen Komponisten
Städtische Musikschule

Samstag, 22. März, 14.00 Uhr bis 17.45 Uhr, Treffpunkt: Bahnhof
Exkursion zur Museumssynagoge und zum jüdischen Friedhof in Bopfingen-Oberdorf
Führung: Dr. Felix Sutschek, Kulturamtsleiter Bopfingen
Gmünder VHS

Dienstag, 25. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Die württembergischen Christen und die Judenfrage im Dritten Reich: Das Zögern der kirchlichen Obrigkeit«
Referent: Prof. Dr. Manfred Köhnlein
»Der Mut einzelner Christen«
Referent: Prof. Dr. Josef Seubert
Kulturbüro
Schwäbisch Gmünd

Donnerstag, 27. März, 20.00 Uhr, Congress-Centrum Stadtgarten
»Andorra« von Max Frisch
Württembergische Landesbühne Esslingen
19.15 Uhr: Einführung
Kulturbüro
Schwäbisch Gmünd

Montag, 31. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Zur Geschichte der Juden in Gmünd im Mittelalter«
Referent: Dr. Klaus-Jürgen Herrmann.
Gmünder Geschichtsverein e.V./Stadtarchiv
Schwäbisch Gmünd

April
Donnerstag, 3. April, 19.00 Uhr, Prediger, Refektorium
Klezmermusik und jiddische Lieder
Konzert mit Katharina Rodi und Ensemble Cholem

Freitag, 4. April, 15.00 bis 16.30 Uhr, Treffpunkt Kornhaus
Alternative Stadtführung
zu jüdischen Stätten in Schwäbisch Gmünd

Führung: Ortrud Seidel

Montag, 7. April, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Wie ich dazu kam,
ein Buch über Gmünder Juden zu schreiben«

Autorin und Referentin: Ortrud Seidel

Mittwoch, 9. April, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Rechtsextremismus heute. Ein Überblick«
Referent: Horst Neumaier, stellv. Referatsleiter der Abteilung Rechtsextremismus beim Landesamt für Verfassungsschutz, Stuttgart.
Bürgerinitiative gegen Fremdenfeindlichkeit

Sonntag, 13. April, 15.00 Uhr, Prediger, Innenhof
Finissage der Ausstellung
»Ich sehne mich so
–Die Lebensgeschichte der Anne Frank«
Lesung mit Mirjam Pressler
Frauenbeauftragte
/Kulturbüro Schwäbisch Gmünd