Donnerstag, 13. März bis Sonntag, 13. April 2003
Anne Frank
– eine Geschichte für heute

Eine Ausstellung des Anne Frank Zentrum Berlin e.V.
Kulturbüro Schwäbisch Gmünd

 

Dienstag, 25. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Die württembergischen Christen und die Judenfrage im Dritten Reich:
Das Zögern der kirchlichen Obrigkeit«

Referent: Prof. Dr. Manfred Köhnlein

Dienstag, 25. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Der Mut einzelner Christen«

Referent: Prof. Dr. Josef Seubert
Kulturbüro Schwäbisch Gmünd

Der abendliche Vortrag war in vier Teile gegliedert. Erstens, eine kurze Einleitung ins Thema durch Prof. Dr. Josef Seubert. Zweitens, Prof. Dr. Manfred Köhnlein über »das Zögern der kirchlichen Obrigkeit«. Drittens, Prof. Dr. J. Seubert über »Der Mut einzelner Christen«. Und viertens, anschließende Frage- und Diskussionsrunde.

Prof. Dr. J. Seubert begann mit einer kurzen Einführung ins Thema. Anhand einer Grafiktabelle veranschaulichte er Eroberungen und Machtausdehnung des dritten Reiches und den Beginn und Verlauf des Holocausts.

Um ca. 19.15 Uhr begann Prof. Dr. M. Köhnlein mit seinem Vortrag. Zuerst erläuterte er das Geschehen vom November 1938: Die Pogromnacht. Zur damaligen Zeit war gegen die Reichskristallnacht (beschönigender Ausdruck, entstand durch den Volksmund, wegen der vielen Glasscherben auf den Straßen) so gut wie kein Widerstand geleistet worden. Das Volk kritisierte auch nicht die Entrechtung, öffentliche Demütigung, Isolierung und Abschiebung der Juden. Das deutsche Volk schwärmte mit Hitler von einer Rassenreinheit, Einigkeit, formaler Solidarität und der Bündnistreue. Jedoch hatte es bis vor dem Krieg die physische Vernichtung abgelehnt. Zu Kriegszeiten war es aber wichtiger, das eigene Leben zu sichern, als das der Juden. So liefen Antisemitismus und Holocaust zur Höchstform auf.

Kanzelredner, die zur Hilfe der Juden aufriefen, wurden als Volksverräter bezeichnet. Die Kirche wurde gezwungen, Jesus zu verarisieren und gewisse Stellen der Bibel zu verändern. In seiner Predigt zum Buß- und Bettag, »Oh Land, Land, höre des Herrn Wort!«, rief Pfarrer Julius von Jan das Land zur Umkehrung auf. Er wurde verhaftet, kam ins Gefängnis und nach sieben Monaten zum Militärdienst zwangsverpflichtet.

Ganz im Gegenteil der Landesbischof Dr. Theophil Wurm, der in einem Brief an den Reichsjustizminister folgendes erklärte. Er bestreite mit keinem Wort dem Staat das Recht gegen Juden vorzugehen, verurteile jedoch die brutale Vorgehensweise.

Ganze 35 Jahre später kam er jedoch zu der Einsicht, die damaligen Judenverfolgungen nicht gut zu heißen. Ausschlaggebend dafür war, das er Mischlinge ersten Grades unter seiner eigenen Gemeinde hatte. Für einen Menschen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Liebe und christliche Werte den Menschen zu vermitteln, ein geradezu peinlich langer Zeitraum.

Nach diesem etwa einstündigen Vortrag, folgte nun Prof. Dr. Josef Seubert mit: »Der Mut einzelner Christen«. Auch er erläuterte dies, wie Prof. Dr. M. Köhnlein, anhand vieler Beispiele.

Die flüchtenden und sich versteckenden Juden waren auf die Hilfe der »Arier« angewiesen, doch gab es nur sehr wenige, die dies taten und es erforderte sehr viel Mut. Oft durchlebten die Juden jahrelange Fluchtodysseen. Im Deutschen Reich konnten durch Hilfestellungen der Christen wie Flucht ins Ausland, Versorgung für Untergetauchte, Hilfe beim Verstecken und Ausstellen von falschen Pässen, ca. 3000 Juden gerettet werden.

Bedauernswert ist es, dass die »Judenhelfer« in der Nachkriegszeit nicht bzw. erst sehr spät gewürdigt wurden. Als Beispiel für Helfer nannte uns Seubert u.a. das Ehepaar »Gölz«. Richard Gölz (Kirchenmusiker und Theologe) hatte den Juden geholfen und sogar zusammen mit ihnen in seinem Pfarrhaus gebetet. Doch seine Hilfe flog auf, er wurde inhaftiert und nach Welzheim deportiert. Von den Alliierten wurde er später befreit, sprach aber nie über seine Erlebnisse in Welzheim. Vor seinem Tod im Jahr 1975 (USA) kam er in eine Nervenklinik. Mit ein paar Fragen wie »Warum haben nur so wenige geholfen?« und einer kleinen Diskussionsrunde endete der Vortrag gegen 21.15Uhr.

Buchempfehlung:
»Licht im Dunkeln«

Begleitprogramm

Dienstag, 11. März bis Samstag, 12. April 2003, Stadtbibliothek
Medienausstellung »Kalte Zeiten«
mit Büchern, Filmen und CD-ROMs zum Nationalsozialismus
Stadtbibliothek Schwäbisch Gmünd

Donnerstag, 13. März bis Sonntag, 13. April 2003, Prediger, Innenhof
Kunstwerk des Monats
Museum für Natur und Stadtkultur Schwäbisch Gmünd

März
Donnerstag, 13. März, 19.00 Uhr, Prediger, Innenhof
Eröffnung der Ausstellung
durch Bürgermeister Dr. Joachim Bläse
Mit Anja Mittermaier vom Anne Frank Zentrum Berlin e.V.
Musikalischer Rahmen: Katharina Rodi, jiddische Lieder
Kulturbüro
Schwäbisch Gmünd

Freitag, 14. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Hat der Antisemitismus seine Wurzeln im Christentum?«
Bericht von einem Studienjahr in Jerusalem und ein Versuch zu verstehen. Referent: Eckhard Benz-Wenzlaff
Evangelische Kirchengemeinde Großdeinbach

Montag, 17. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
Antisemitische Filmpropaganda
Filmvorführung »Der ewige Jude«

mit anschließender Diskussion. Moderation: Dr. Bernd Kleinhans
Gmünder Geschichtsverein e. V./Stadtarchiv
Schwäbisch Gmünd

Donnerstag, 20. März, 10.00 Uhr und 12.00 Uhr, Theaterwerkstatt
»Aus dem Tagebuch der Anne Frank«
Württembergische Landesbühne Esslingen
Theaterwerkstatt Schwäbisch Gmünd e.V.

Freitag, 21. März, 19.00 Uhr, Prediger, großer Saal
Konzert der Musikschule
Schüler, Lehrkräfte und Gäste der Musikschule spielen Werke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und Musik von jüdischen Komponisten
Städtische Musikschule

Samstag, 22. März, 14.00 Uhr bis 17.45 Uhr, Treffpunkt: Bahnhof
Exkursion zur Museumssynagoge und zum jüdischen Friedhof in Bopfingen-Oberdorf
Führung: Dr. Felix Sutschek, Kulturamtsleiter Bopfingen
Gmünder VHS

Dienstag, 25. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Die württembergischen Christen und die Judenfrage im Dritten Reich: Das Zögern der kirchlichen Obrigkeit«
Referent: Prof. Dr. Manfred Köhnlein
»Der Mut einzelner Christen«
Referent: Prof. Dr. Josef Seubert
Kulturbüro
Schwäbisch Gmünd

Donnerstag, 27. März, 20.00 Uhr, Congress-Centrum Stadtgarten
»Andorra« von Max Frisch
Württembergische Landesbühne Esslingen
19.15 Uhr: Einführung
Kulturbüro
Schwäbisch Gmünd

Montag, 31. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Zur Geschichte der Juden in Gmünd im Mittelalter«
Referent: Dr. Klaus-Jürgen Herrmann.
Gmünder Geschichtsverein e.V./Stadtarchiv
Schwäbisch Gmünd

April
Donnerstag, 3. April, 19.00 Uhr, Prediger, Refektorium
Klezmermusik und jiddische Lieder
Konzert mit Katharina Rodi und Ensemble Cholem

Freitag, 4. April, 15.00 bis 16.30 Uhr, Treffpunkt Kornhaus
Alternative Stadtführung
zu jüdischen Stätten in Schwäbisch Gmünd

Führung: Ortrud Seidel

Montag, 7. April, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Wie ich dazu kam,
ein Buch über Gmünder Juden zu schreiben«

Autorin und Referentin: Ortrud Seidel

Mittwoch, 9. April, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Rechtsextremismus heute. Ein Überblick«
Referent: Horst Neumaier, stellv. Referatsleiter der Abteilung Rechtsextremismus beim Landesamt für Verfassungsschutz, Stuttgart.
Bürgerinitiative gegen Fremdenfeindlichkeit

Sonntag, 13. April, 15.00 Uhr, Prediger, Innenhof
Finissage der Ausstellung
»Ich sehne mich so
–Die Lebensgeschichte der Anne Frank«
Lesung mit Mirjam Pressler
Frauenbeauftragte
/Kulturbüro Schwäbisch Gmünd