Donnerstag, 13. März bis Sonntag, 13. April 2003
Anne Frank
– eine Geschichte für heute

Eine Ausstellung des Anne Frank Zentrum Berlin e.V.
Kulturbüro Schwäbisch Gmünd

 

Mittwoch, 9. April, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Rechtsextremismus heute
Ein Überblick.«

Als Referent des Vortrags über Rechtsextremismus war Host Neumaier vom Landesamt für Verfassungsschutz Baden Württemberg zugegen. Dieser, ausgebildeter Polizist und nun schon seit 30 Jahren im Staatsdienst tätig, hielt seinen sehr interessanten Vortrag mit Hilfe einer computeranimierten Präsentation.

Herr Neumaier begann damit, Beispiele rechtsextremistisch orientierter Gewalttaten aus den Jahren 2001 bis 2003 zu demonstrieren, z. B. in Brand gesteckte Häuser, Beleidigungen wie »Nigger«, zu Tode getretene und geprügelte Opfer...

Weiter klärte er die leider nur wenig erschienenen Zuhörer über die Aufgaben und Befugnisse des Verfassungsschutzes auf.

Der Verfassungsschutz ist zum Schutze unseres demokratischen Gemeinwesens. Seine Aufgabe ist es, verfassungsfeindliche und sicherheitsgefährdende Bestrebungen zu beobachten. Das dient dazu, die politisch Verantwortlichen, zuständige Stellen und das Volk über Entwicklungen und drohende Gefahren zu unterrichten. Um dies zu gewährleisten, können verschiedene Methoden angewandt werden. Hier einige Beispiele: Vertrauensleute, Observation, geheimes Fotografieren, Tarnmaßnahmen; unter ganz bestimmten Umständen tritt das Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post-, und Fernmeldegeheimnisses – G 10 – in Kraft.

Der Rechtsextremismus zählt zu den Beobachtungsschwerpunkten des Verfassungsschutzes.

Zu den Wesensmerkmalen des Rechtsextremismus gehören folgende: Nationalismus und Rassismus, Antisemitismus und das permanente Leugnen der Verbrechen des dritten Reiches (Revisionismus), außerdem die Bildung einer Volksgemeinschaft und das Führerprinzip.

Horst Neumaier erläuterte weitere Erscheinungsmerkmale des Rechtextremismus. Zum Personen- und Täterpotenzial:
Auffallend ist, dass deutlich weniger Frauen in der Szene zu vermerken sind, doch ihr Anteil von 15% hält sich konstant.

Auch zu erkennen ist, dass der Altersdurchschnitt rechtsextremistischer Skinheads deutlich gesunken ist, 78 % zwischen 16 und 24 Jahren. Weiter haben 78 % einen Hauptschulabschluss und stammen meist aus zerrütteten Familienverhältnissen. Zu den Ursachen rechtextremistischer Gewalttaten zählen: Skinheadmusik, der Ausgleich von Minderwertigkeitsgefühlen, Alkoholkonsum, Toleranzlosigkeit, Zukunftsangst oder einfach bloß Langeweile.

Zur Zeit ist ein Rückgang rechtsextremistischer Gewalttaten zu bemerken. Trotz all dem kommen solche Taten immer noch viel zu häufig vor und meist müssen die Prozesse vor Gericht aus Mangel an Beweisen eingestellt werden.

Durch das Anspielen von Liedern rechtsextremistischer Bands gab Horst Neumaier einen kleinen Einblick in die Skinmusikszene. Die Texte und Liedinhalte handelten unter anderem von Rassenhass, Antisemitismus, Hitlerverehrung,...

Auch aus Schwäbisch Gmünd kommen zwei bekannte Skinbands aus der rechten Szene. Ein Skinkonzert das im Oktober 2001 in Großdeinbach stattfinden sollte, wurde jedoch untersagt.

Diese Skinmusikszene erlebt in den letzten Jahren einen regelrechten Boom. Solche Konzerte dienen auch zur Publikation der Szene.

Aber das wohl bedeutenste Mittel zur Publikation stellt das Internet dar. Immer mehr und mehr Homepages sind im Netz zu finden. Diese sind schwer zu verbieten und verschwinden zu lassen. Entweder dadurch, dass sie meist von ausländischen Providern aus betrieben werden, oder weil sie sich noch im gesetzlich erlaubten Rahmen bewegen. Durch diese Homepages und durch das Internet überhaupt ist rechtsextremistische Musik für jeden ohne weiteres und jederzeit durch Herunterladen verfügbar. Auch hier führte Herr Neumaier einige Internetseiten als Beispiele vor.

Weiter schockte er die Anwesenden mit einer Absurdität, einem rechtsextremistischem Spiel: Nazimoorhuhnjagd!

Den Rechtsextremismus kann man noch von vielen weiteren Seiten beobachten und man könnte noch viele weitere Informationen zusammentragen. Dies hier soll lediglich einen kleinen Einblick für Interessierte bieten.

Referent: Horst Neumaier, stellvert. Referatsleiter der Abteilung Rechtsextremismus beim Landesamt für Verfassungsschutz, Stuttgart.

Eine Veranstaltung der
Bürgerinitiative gegen Fremdenfeindlichkeit

 

Weiterführende Informationen:
was tun gegen rechtsextremismus
(vk) Eine umfangreiche und übersichtliche Seite mit einem Veranstaltungskalender, Informationen - beispielsweise eine kommentierte Bibliografie und Linkliste- und einer erschreckenden Chronik der Gewalt. Unter dem Eintrag »Multimedia« finden sich Spiele, Videos, Audiodateien, Texte und vieles mehr.
Eine Seite, die durch die Fülle an Material zu einer eingehenden Beschäftigung mit dem Thema und erneuten Besuchen einläd.
»Was tun gegen Rechtsextremismus« ist ein Internet-Angebot der
Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn (BpB)
Berliner Freiheit 7
53111 Bonn
Tel.: 01888/515-0
Fax: 01888/515-113

Begleitprogramm

Dienstag, 11. März bis Samstag, 12. April 2003, Stadtbibliothek
Medienausstellung »Kalte Zeiten«
mit Büchern, Filmen und CD-ROMs zum Nationalsozialismus
Stadtbibliothek Schwäbisch Gmünd

Donnerstag, 13. März bis Sonntag, 13. April 2003, Prediger, Innenhof
Kunstwerk des Monats
Museum für Natur und Stadtkultur Schwäbisch Gmünd

März
Donnerstag, 13. März, 19.00 Uhr, Prediger, Innenhof
Eröffnung der Ausstellung
durch Bürgermeister Dr. Joachim Bläse
Mit Anja Mittermaier vom Anne Frank Zentrum Berlin e.V.
Musikalischer Rahmen: Katharina Rodi, jiddische Lieder
Kulturbüro
Schwäbisch Gmünd

Freitag, 14. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Hat der Antisemitismus seine Wurzeln im Christentum?«
Bericht von einem Studienjahr in Jerusalem und ein Versuch zu verstehen. Referent: Eckhard Benz-Wenzlaff
Evangelische Kirchengemeinde Großdeinbach

Montag, 17. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
Antisemitische Filmpropaganda
Filmvorführung »Der ewige Jude«

mit anschließender Diskussion. Moderation: Dr. Bernd Kleinhans
Gmünder Geschichtsverein e. V./Stadtarchiv
Schwäbisch Gmünd

Donnerstag, 20. März, 10.00 Uhr und 12.00 Uhr, Theaterwerkstatt
»Aus dem Tagebuch der Anne Frank«
Württembergische Landesbühne Esslingen
Theaterwerkstatt Schwäbisch Gmünd e.V.

Freitag, 21. März, 19.00 Uhr, Prediger, großer Saal
Konzert der Musikschule
Schüler, Lehrkräfte und Gäste der Musikschule spielen Werke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und Musik von jüdischen Komponisten
Städtische Musikschule

Samstag, 22. März, 14.00 Uhr bis 17.45 Uhr, Treffpunkt: Bahnhof
Exkursion zur Museumssynagoge und zum jüdischen Friedhof in Bopfingen-Oberdorf
Führung: Dr. Felix Sutschek, Kulturamtsleiter Bopfingen
Gmünder VHS

Dienstag, 25. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Die württembergischen Christen und die Judenfrage im Dritten Reich: Das Zögern der kirchlichen Obrigkeit«
Referent: Prof. Dr. Manfred Köhnlein
»Der Mut einzelner Christen«
Referent: Prof. Dr. Josef Seubert
Kulturbüro
Schwäbisch Gmünd

Donnerstag, 27. März, 20.00 Uhr, Congress-Centrum Stadtgarten
»Andorra« von Max Frisch
Württembergische Landesbühne Esslingen
19.15 Uhr: Einführung
Kulturbüro
Schwäbisch Gmünd

Montag, 31. März, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Zur Geschichte der Juden in Gmünd im Mittelalter«
Referent: Dr. Klaus-Jürgen Herrmann.
Gmünder Geschichtsverein e.V./Stadtarchiv
Schwäbisch Gmünd

April
Donnerstag, 3. April, 19.00 Uhr, Prediger, Refektorium
Klezmermusik und jiddische Lieder
Konzert mit Katharina Rodi und Ensemble Cholem

Freitag, 4. April, 15.00 bis 16.30 Uhr, Treffpunkt Kornhaus
Alternative Stadtführung
zu jüdischen Stätten in Schwäbisch Gmünd

Führung: Ortrud Seidel

Montag, 7. April, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Wie ich dazu kam,
ein Buch über Gmünder Juden zu schreiben«

Autorin und Referentin: Ortrud Seidel

Mittwoch, 9. April, 19.00 Uhr, Prediger, kleiner Saal
»Rechtsextremismus heute. Ein Überblick«
Referent: Horst Neumaier, stellv. Referatsleiter der Abteilung Rechtsextremismus beim Landesamt für Verfassungsschutz, Stuttgart.
Bürgerinitiative gegen Fremdenfeindlichkeit

Sonntag, 13. April, 15.00 Uhr, Prediger, Innenhof
Finissage der Ausstellung
»Ich sehne mich so
–Die Lebensgeschichte der Anne Frank«
Lesung mit Mirjam Pressler
Frauenbeauftragte
/Kulturbüro Schwäbisch Gmünd